Als ich Muse war und Truck Stop küsste

Ich hab nachgedacht, über TRUCK STOP, über Geld (das ganz große), über damals, über diesen einen Tag, der mein Leben nicht verändern sollte. Neun war ich oder so, meine Eltern hatten irgendwas vor und ich musste zu den Nachbarn unter uns. Das war so ein merkwürdiges, schweigsames Paar, sie hieß Karin und er Teddy, und er trug immer Cowboyhut, und wenn ich den mal aufsetzen wollte, maulte er in seiner schwer nachahmlichen Art das'n echter, Finger wech. Also saß ich dann da auf dem Trödelsofa und hatte mich gerade damit abgefunden, hier abzugammeln bis abends, da meinte Teddy, er müsse nochmal los, ins Studio, und wisst ihr was? Ich nehm euch mit!

Meine relativ stark ausgeprägte Gleichgültigkeit ließ jede künstliche Freude über diesen Hammerausflug ins Studio (klang auch nicht anders als ins Büro) im Keime ersticken, aber ich gab mein Bestes und bekundete Interesse: was machen wir denn da? Teddy versuchte ein Henry-Fonda-Gesicht und brummte mit Nachdruck: Rock'n Roll. Ich war zwar nicht auf Anhieb begeistert, aber tief drinnen spürte ich ein kitzeliges Brausen, das fast schon an Aufregung grenzte, und unserer Tagesreise nach Maschen stand nichts mehr im Wege ...

Es begrüßte uns ein hässlicher Kerl mit (cooler) Metallbrille und Lederfransenweste, der aber offensichtlich kein Interesse hatte, sich mit Smalltalk aufzuhalten. Wir folgten ihm in einen Raum, der mich sehr an das Cockpit erinnerte, das ich auf meinem letzten Teneriffaflug betreten durfte, nur dass da im Fenster keine niedlichen Wölkchen tanzten, sondern ein fiedelndes Völkchen. Einer davon begann auch gleich zu singen, mit geschlossenen Augen, sehr intensiv und nicht ohne Talent, aber das blöde daran war, ich verstand KEIN WORT! Und als der Typ mit den Fransen irgendwann zu mir rübersah und mich Daumen hebend fragte, was ich davon hielte, konnte ich nur mit den Achseln zucken. Schöne Musik sagte ich, worum gehts denn da? Ich meine mich zu erinnern, ein Augenrollen gesehen zu haben, aber vielleicht bilde ich mir das jetzt im Nachhinein nur ein. Das ist Cowboysprache, erklärte Teddy, Cowboys kommen aus Amerika, die sprechen englisch. Ach so, dachte ich dann und nickte. Aber schöner wärs, wenn man das verstehen könnte ...

Ein paar Monate später kam die erste TRUCK STOP-Platte auf deutsch raus, mit all den Hits, und die Jungs scheffelten die Kohle säckeweise, und das ist bestimmt sogar heute noch so. Meinetwegen, sollen sie, ist ja auch nichts dabei. Aber warum sich seither keiner von denen bei mir gemeldet hat, um mir meinen Anteil zu überweisen, das ärgert mich schon sehr. Ohne mich wären die ein NICHTS, eine vor Dekaden zerbröselte Freakshow, ein Haufen fernwehgesteuerter Verkleidungskünstler ... ach, behaltet euer Geld, ich komm schon klar, aber über ein kleines Liedchen würde ich mich schon freuen, das könntet ihr ihm schon widmen, diesem neunjährigen Musekind, und ich wäre dann auch nicht sauer, wenn der Song nicht Ohne Klaus-Peter wäre die Welt nur halb so schön hieße ...

Was meint ihr, geht da was?
schroeder - 8. Mrz, 15:57

Klaus-Peter Menotti?... schöner Beitragstitel übrigens. Und um die Truck Stop Nachbarschaft wusste ich glaube ich gar nicht...

Menotti - 8. Mrz, 16:12

Schätze, mir fehlte damals noch der Abstand .-)

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